Augenklappe – selbstgemacht / DIY

Wozu eigentlich eine Augenabdeckung beim Bogenschießen? Hier kommt die Antwort…

20160924_augenklappe_003bZur Erklärung starten wir mit einem anatomischen Exkurs:
Wird ein Auge geschlossen, verändert sich auch die Pupille des anderen, offenen Auges – sie wird größer. Öffnet man das geschlossene Auge wieder, wird auch die Pupille des zielenden Auges kleiner.
Warum? Beide Augen reagieren als sog. „paariges Organ“ parallel. Wird es also auf der einen Seite dunkel und die Pupille erweitert sich um mehr Licht aufzufangen, so geschieht das auch auf der anderen Seite.

Dieses Phänomen erschwert jedoch das Zielen, denn ähnlich wie bei der Blende eines Fotoapparates bräuchten wir eher eine kleine Pupille, um mehr Tiefenschärfe zu erreichen. Zwar stellt man auf das Visierkorn scharf, eine größere Tiefenschärfe erleichtert es dem Auge jedoch wesentlich, das „unscharfe“ Gold im Hintergrund anzupeilen.
Auch gelangt bei vergrößerter Pupille zu viel Licht ins offene Auge und das Gehirn muss versuchen, dies alles auszugleichen.
Mit kurzen Worten: Wir machen es Augen und Gehirn unnötig schwer und schaden unserer Konzentrationsfähigkeit wenn wir ein Auge zukneifen.
Auch die Gesichtsmuskeln sind dann nicht entspannt, was sich im Trefferbild spiegeln kann.

Nun sind zwei Szenarien denkbar:

  1. Schießt der Schütze auf der „richtigen“ Seite, also auf der seines dominanten Auges und stört es ihn nicht beide Augen offen zu lassen, ist alles in bester Ordnung.
    Sind beide Augen offen, stehen mehr optische Informationen zur Verfügung und das Ziel erscheint heller und schärfer. Auch Entfernungen lassen sich besser einschätzen, wie es in anderen Disziplinen unabdingbar ist.
  2. Manche Schützen irritiert es, beim Zielen beide Augen offen zu lassen oder sie schießen wie ich kreuzdominant.
    Um Doppelsehen oder andere Störungen auszublenden sollte der Schütze dann eine Abdeckung vor dem nicht zielenden Auge anbringen, um dieses nicht schließen zu müssen.
    Diese darf jedoch nicht schwarz bzw. dunkel sein, sondern hell, da ansonsten der gleiche Effekt auftritt wie beim Schließen eines Auges – die Pupille des anderen vergrößert sich und das Auger ermüdet schneller.
    Die Möglichkeit der Visierverlagerung bei kreuzdominanten Schützen möchte ich hier außen vor lassen, da sie in der Praxis eher selten vorkommt.

Ein kurzer Blick in die aktuelle Sportordnung des DSB zeigt:

  • allgemein: „0.5.3.2. Blenden … Am nicht zielenden Auge darf eine Blende mit maximal 30mm Breite (Bild B) getragen werden.“
  • Bogenschießen: „6.5.4. Zubehör … Wenn das nicht zielende Auge abgedeckt werden soll, muss es vollständig bedeckt oder abgeklebt sein…“
    Das bedeutet nun nicht, dass man sein Auge zupflastern muss, aber es darf beispielsweise kein Loch oder Muster in der Blende sein (Irisblende/Tiefenschärfe!) oder die Abdeckung nur das halbe Auge bedecken um über eventuelle Markierungen zu visieren oder Entfernungen zu schätzen etc.

Da ich kein Freund von Stirnbändern bin und auch keine Schießbrille trage, habe ich nach einer anderen regelkonformen Lösung gesucht, das nicht zielende Auge abzudecken und bin zu einer für Brillenträger recht einfachen und angenehmen Lösung gelangt, sofern die Gläser nicht zu dick sind.
Es steht natürlich jedem Normalsichtigen frei, ebenfalls eine günstige Brille mit ggf. nur einem Glas oder eine Sonnenbrille zu tragen…

20160924_augenklappe_007bMan nehme eine helle Kunststoffscheibe und schneide einen Kreis mit max. 3 cm Durchmesser aus (aber auch nicht viel weniger wegen Bedeckung des ganzen Auges, s.o. DSB).
In die Mitte der Rückseite wird ein kleiner, dünner Neodym-Magnet geklebt und dann vorsichtig etwas Brillenputztuch bzw. Microfasertuch darüber.
Achtung: Nicht zu stark andrücken, da der Kleber sonst durch das Brillenputztuch dringt und ausgehärtet später u.U. Kratzer auf der Brille hinterlässt.
Nun Kleben wir eine zweite Neodym-Magnet-Scheibe zwischen zwei Lagen Brillenputztuch. Auch hier nur ganz sanft andrücken, dann bleibt das Putztuch schön weich.
Sobald das Ganze getrocknet ist, schneiden wir mit einer Schere im Kreis mit ca. 1-2mm Abstand um die Magnetscheibe herum. Fertig!
Die Außenseite lässt sich dann noch nach Belieben verzieren – in meinem Foto ganz oben beispielsweise mit dem Vereinslogo (vorher fragen!). Und damit das auch immer richtig herum sitzt, markiert man auf der dem Auge zugewandten Innenseite z.B. die untere Seite mit einem kleinen schwarzen Punkt… Voila! 😉

20160924_augenklappe_006bZum Anbringen einfach die Blende von außen vor das Brillenglas halten und den kleinen Magneten auf der dem Auge zugewandten Innenseite anbringen.

Die Blende lässt sich in Schießpausen ganz einfach aus dem Blickfeld schieben oder wieder abnehmen.
Achtung: Man sollte immer Ersatz mitführen, denn wenn der kleine Magnet auf der Innenseite aus Unachtsamkeit erst einmal ins Gras gefallen ist…

Alle ins Gold!

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