Wurfarme

Wichtig, aber überschätzt? Wurfarme sind ein komplexes Thema, aber ich werde versuchen, dem Anfänger alles Wichtige an die Hand zu geben, um das erste Paar so gut wie möglich auszuwählen.

In weiteren Beiträgen geht’s dann ins Eingemachte – also bleibt dran und folgt meinem Blog! 😉

Das Wichtigste gleich zu Beginn: Für Anfänger gilt, weniger Zuggewicht ist mehr! Nur so kann eine saubere Technik erlernt und Verletzungen vermieden werden!

Aber der Reihe nach:

Es gibt Steck- und Schraubwurfarme. Während letztere in der Regel nur bei billigen Holzbögen zum Einsatz kommen und schnell nerven, sind Steckwurfarme die Norm. Aber nicht jeder Wurfarm passt zu jedem Bogen, sondern hängt von dessen Wurfarmaufnahme ab. Das ILF-System (international limb fitting) hat sich herstellerübergreifend durchgesetzt und passt meistens. Die Firma Hoyt beschreiten bei einigen ihrer teureren Bögen einen anderen Weg mit dem hauseigenen Formula-System, für das inzwischen auch andere Firmen Wurfarme produzieren.

Hergestellt werden Wurfarme aus Holz, Fiberglas, Schaum oder Carbon, meist ist es eine Mischung aus mehreren dieser Werkstoffe.

Im unteren und nicht notwendiger Weise schlechten Preissegment für Steckwurfarme ab ca. 65 EUR  findet man meist Holzwurfarme mit Fiberglasauflage. Mit einer Carbonauflage bzw. einem Schaumkern wird es schon teurer ab ca. 140 EUR. Spitzenwurfarme zwischen ca. 400 und 700 EUR haben in der Regel folgende Vorteile: Sie sind leichter und somit aufgrund weniger bewegter Masse schneller. Sie sind zudem verwindungssteifer und das angegebene Zuggewicht wird päziser eingehalten.

Apropos Zuggewicht: Die Anschaffung teurer Wurfarme lohnt sich zu Beginn nicht, da man zum Erlernen der Technik mit einem relativ geringen Zuggewicht startet und sich langsam über etliche Monate bis zum Endzuggewicht in Schritten von ca. zwei bis vier lbs. steigert sobald die Schießtechnik einigermaßen sitzt. Sofern das Mittelteil über Tillerschrauben verfügt kann darüber das auf den Wurfarmen angegebene Zuggewicht um ca. 10% gesteigert werden. Ansonsten mietet man Wurfarme beim Händler die immer wieder kostenfrei getauscht werden können oder erwirbt selbst mehrere Wurfarmpaare. Letzteres kann den Vorteil haben, dass man im Falle einer Trainigspause stets einfach auf ein niedrigeres Zuggewicht wechseln kann, um wieder hochzutrainieren.

Das individuelle Zuggewicht zu Beginn hängt v.a. von Geschlecht, Körperbau und Fitness des Schützen ab. Frauen beginnen z.B. mit 16-24 lbs., Männer mit 20-28 lbs.. Je kleiner, zierlicher und untrainierter, desto weniger. Vor einem Kauf sollte man auf jeden Fall einmal ausprobieren, ob man den Bogen mir den gewünschten Wurfarmen bis zum Kinn ziehen, dort zehn bis zwölf Sekunden halten kann und anschließend wieder langsam absetzen, ohne unkontrolliert zitternde Arme. Auch fühlen sich unterschiedliche Wurfarme unterschiedlich an: einige sind „weicher“ zu ziehen als andere, andere „machen hinten zu“ (man spricht auch von „an die Wand ziehen“) etc.. Wichtig ist, dass man sich damit wohlfühlt.

Um später die erforderlichen Wettkampfdistanzen gut schießen zu können (sofern ihr das wollt), landet Frau dann normaler Weise irgendwann bei 30-36 lbs., Mann bei 36-42 lbs.. Grundsätzlich ist ein höheres Endzuggewicht einem niedrigeren vorzuziehen wenn die Schießtechnik beherrscht wird, da der Pfeil dadurch schneller ist und aufgrund der flacheren Flugbahn weniger störungsanfällig. Übertreiben sollte man es aber auch nicht und ein Endzuggewicht anpeilen, das Alter, Trainingsintensität und Verletzungen bzw. Handicaps berücksichtigt. Schließlich möchte man lange Freude an diesem faszinierenden Sport haben…

Das jeweilige Zuggewicht ist auf den Wurfarmen abgedruckt oder notiert. Normaler Weise findet man dort zwei Angaben wie z.B.: 25H 68-28, 23H 66-30. Das bedeutet: Sofern nichts anderes angegeben ist, wird von einer Auszugslänge von 28 lbs. ausgegangen (Näheres s.u.). Steckt man diese Wurfarme nun in ein Mittelteil mit 25 Länge (Normalfall), ergibt sich ein Bogen Länge von 68″ und man zieht 28 lbs.. Entsprechend ergibt sich bei einem 23″ Mittelteil eine Länge von 66″ und ein Zuggewicht von 30 lbs..

Achtung: Das tatsächliche Zuggewicht auf den Fingern kann aufgrund des individuellen Auszugs stark von dem auf den Wurfarmen abgedruckten Gewicht abweichen, da hier regelmäßig von einem Standard von 28″ ausgegangen wird. Als Fausregel gilt: Ein Zoll mehr oder weniger Auszug (s.u.) als 28″ (inkl. 1,75″ Zugabe) ergibt ein lbs. mehr oder weniger auf den Fingern. Das exakte Zuggewicht auf den Fingern lässt sich am besten vom Händler oder im Verein mit einer Zuggewichtswaage ermitteln.

Wurfarme werden in drei unterschiedlichen Längen angeboten: kurz/short, mittel/medium, lang/long. Die individuell passende hängt von der Spannweite bzw. Auszugslänge des Schützen ab. Anhaltswerte finden sich hier (Seite 14), wobei die Auszugslänge grob wie folgt berechnet wird:
Distanz zwischen Nockboden und Button + 1,75″ im Anker unter dem Kinn bzw. Unterkiefer. Erfahrungsgemäß ändern sich die Maße später mit besserer Schießtechnik. Für einen sehr groben Anhaltspunkt kann man auch von der Körpergröße auf die ungefähre Länge der Arme und damit die Auszugslänge schließen. Von 1,70 m bis 1,85 m wählt man als Bogenlänge 68″ (Wurfarme medium bei einem Mittelteil mit 25″), darüber 70″ (long) und darunter 66″ (small). Diese Bereiche überschneiden sich und unterliegen auch gewissen Trends, daher sollte man ruhig auch mal andere Längen beim Händler oder von Vereinskollegen testen.

Wichtig: Zu guter Letzt sei noch darauf hingewiesen, dass es bei jedem Wurfarmpaar einen oberen und einen unteren gibt, die sich unterscheiden! Genaueres dazu folgt ein andermal in einem separaten Beitrag. Bis dahin sollte man einfach beim Aufbau des Bogens darauf achten, dass der obere Wurfarm mit der angebrachten Bezeichnung „upper“ auch wirklich oben sitzt und „lower“ demgemäß unten.

Achtung beim Kauf gebrauchter Wurfarme! Diese sollten immer mit Spannschnur gespannt worden sein und dürfen keinen Leerschuß (ohne Pfeil) hinter sich haben! Wie kann man das überprüfen? Gar nicht… Also überlegt genau, wem ihr vertraut!

Und warum heißt der Recurve jetzt eigentlich Recurve. Ganz einfach, weil die nach hinten (zum Schützen hin) gebogenen Wurfarme im Bereich des tips (das Ende an dem jeweils die Sehne eingehängt wird) in die Gegenrichtung gebogen sind.

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