Pfeile

– Bilder folgen –

Die Pfeile sind neben dem Schützen selbst wohl der wichtigste Teil beim Bogenschießen – wichtiger als z.B. Mittelstück und Wurfarme!

Es ist überaus schwierig und komplex, dem Anfänger die richtigen Pfeile zu empfehlen. Dennoch möchte ich hier versuchen, alles Wichtige zu vermitteln, so dass jeder auch ohne Vorkenntnisse in der Lage ist, danach halbwegs passende Pfeile auszusuchen, die eine ganze Zeit lang Spaß machen. Heute daher etwas schwerere Kost… 

Früher oder später hat jeder Schütze individuell auf ihn und seinen Bogen abgestimmte Pfeile. Dies setzt jedoch eine konsistente Schießtechnik voraus, die sich erst nach etlichen Monaten fleißigen Trainings einstellt.

Der Schütze lässt sich dann entweder nach seinen Vorgaben die Pfeile von seinem Händler des Vertrauens anfertigen oder baut diese selbst aus folgenden Komponenten: Pfeilschaft, Pfeilspitze, Befiederung und Nock.

Vereinfacht gesagt wird der Pfeilschaft auf die individuelle Auszugslänge des Schützen durch Abschneiden angepasst, dann die Spitze mit dem richtigen Gewicht eingeklebt, die bevorzugte Befiederung aufgeklebt und am Ende der Nock zum Einnocken des Pfeils auf der Sehne angebracht.

Üblicher Weise bestehen die Pfeilschäfte aus Carbon oder Aluminium. Carbon ist leichter, fliegt dadurch weiter, bietet aufgrund des schlankeren Durchmessers weniger Angriffsfläche für Wind oder Regen, bleibt stets so gerade wie zu Beginn und bricht in der Regel beim Aufprall auf einer harten Oberfläche. Monodirektionale Fasern bei sehr billigen Pfeilen fasern dabei auf bzw. splittern und bergen daher ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Aluminium ist schwerer und verbiegt sich, lässt sich aber wieder relativ gut richten und zumindest im Training weiterschießen. Da zu Beginn das Treffen nachrangig ist, die Distanz noch keine Rolle spielt und Fehlschüsse auftreten können, sind meines Erachtens Aluminiumpfeile die bessere und im Ergebnis weniger kostenintensive Wahl.

Da am Anfang der Schützenkarriere der Auszug noch nicht konstant ist und sich später zumeist noch erhöht, dürfen die Pfeile anfangs keinesfalls zu kurz sein, da sonst ein erhebliches Verletzungsrisiko besteht. Am besten zieht man den Bogen und bittet jemanden, mit einem Stift auf dem Pfeil die Stelle zu markieren an der der Button den Pfeil im sog. Vollauszug bzw. Anker berührt (Begriffserklärung). Wieviel man zu diesem Maß addiert hängt von der aktuellen Schießtechnik ab und man kann darüber trefflich streiten. Ich halte anfangs eine Zugabe von ca. 4 Zoll (inkl. 1,75″ Zugabe, s.u.; entspricht in etwa 10 cm) für sinnvoll.Das kompensiert einen längeren Auszug und Zuggewischtssteigerungen und lässt Raum zum späteren Kürzen der Pfeile.

Das anfängliche Zuggewicht wird sich ebenso oft relativ schnell nach oben verändern, so dass die Pfeile für Anfänger in der Regel zu hart für den ersten Bogen gewählt werden. Zur Erklärung: Beim Abschuß biegt sich der Pfeil aufgrund des Gewichts der Pfeilspitze. Je länger der Auszug und je höher das Zuggewicht, desto mehr biegt sich der selbe Pfeil. Im Idealfall ist diese Biegung (Spinewert) perfekt auf den jeweiligen Schützen abgestimmt. Anhaltswerte findet man in den Tabellen der Pfeilhersteller, z.B. hier bei Easton. Die Pfeilhersteller gehen dabei von einer festgelegten Pfeillänge von in der Regel 29″ aus, wobei bei einem Abstand von 28″ der Auflagepunkte der Spinewert durch Anhängen eines genormten Gewichts in der Schaftmitte ermittelt wird. Wählt man den eigenen Pfeil länger als 28″, wird er weicher und biegt sich stärker. In der Spinewerttabelle nimmt man daher als Ausgangwert über den Daumen für jedes Zoll um das der Pfeil länger ist, eine Stufe härter bzw. höher.

Achtung: Die für die Tabelle maßgebliche Auszugslänge ist in der Regel die gemessene Auszugslänge vom Nockboden wo die Sehne anliegt bis zum tiefsten Punkt im Griff (=Pivotpunkt; entspricht in der Regel in etwa dem Button), addiert anschließend 1,75″ (ca. 4,4 cm) und rundet abschließend kaufmännisch.

Als zweite Variable neben der Auszugslänge braucht man r die Anwendung der Spinewerttabelle das korrekte Zuggewicht auf den Fingern, was meistens nicht mit dem auf den Wurfarmen abgedruckten identisch ist. Leider handhaben die Wurfarmhersteller diese Angabe nicht einheitlich. Als Faustregel kann man jedoch r jedes Zoll mehr oder weniger Auszug als 28″ (Nockboden bis Pivotpunkt ohne Zugabe) 2 lbs. dazuzählen oder abziehen.

Auch wenn es Anfänger nicht gerne hören, aber das Treffen ist erst einmal nebensächlich, weshalb die Pfeile zu Beginn nicht perfekt sein müssen und können, aber zumindest grob zum Schützen passen sollten. Daher müssen es auch nicht die teuersten oder die mit den geringsten denToleranzen bei der Geradheit sein, denn man wird durch Fehlschüsse den ein oder anderen Bruch produzieren oder Pfeile nicht mehr finden: Pfeile sind Verbrauchsmaterial!   

Während man später die Pfeile üblicher Weise im Dutzend (12 Stück) kauft um möglichst gleiches Ausgangsmaterial zu haben und bei Bedarf ergänzt, reichen zu Beginn sechs bis acht Stück, da abgeleitet von den Wettkämpfen in der Regel im Training sechs Pfeile hintereinander geschossen werden, ehe sie wieder geholt werden und man noch ein bis zwei als Reserve hat.

Achtung: Spätestens im Wettkampf gilt, dass die verwendeten Pfeile v.a. hinsichtlich Befiederung und Nocks ALLE gleich aussehen müssen.
Außerdem ist auf dem Schießplatz grundsätzlich vorgeschrieben, das alle Pfeile mit dem Namen, den Initialen bzw. einem eindeutigen Kürzel versehen sein müssen, das den Schützen erkennen lässt. Fehlschüsse können so zugeordnet bzw. gefundene Pfeile zurückgegeben werden. Die Befiederung darf keine Beschriftung tragen!

Als „Universal-Befiederung“ wählt man am besten gerade, nicht zu große Kunststoff-Vanes. Diese sind hart im nehmen, günstig in der Anschaffung und bei Beschädigung leicht zu ersetzen. Zwei Vanes in einheitlicher Farbe und einen in einer anderen Farbe. Letzterer ist die Leitfeder und zeigt beim Einnocken auf der Sehne stets vom Bogen weg. Aufgrund der „Y“-Anordnung der Befiederung auf dem Pfeilschaft streift die Befiederung so normaler Weise nicht das Bogenfenster und leitet den Pfeil fehl. Stimmt die Stellung der Leitfeder einmal nicht, ist in der Regel der Nock verdreht.

Stecknocks aus Kunststoff sind günstig und leicht zu ersetzen, denn sie werden wie der Name schon sagt einfach in das Schaftende eingesteckt. Eine kleine Nase am Nock weist dabei zur Leitfeder. Der Nock sitzt dann richtig auf der Sehne, wenn sich der eingenockte Pfeil bei zum Boden gerichteten Bogen (Sehne parallel zum Boden) nicht aufgrund des Eigengewicht von der Sehne löst, sondern erst bei einem leichten Schlag auf dieselbe. Sitzt der Nock zu eng, braucht man eine dünnere Sehne bzw. Mittenwicklung oder breitere Nocks. Sitzt er zu locker, braucht man eine dickere Mittenwicklung  bzw. kann im Bereich zwischen den Nockpunkten mit Garn oder übergangsweise mit Teflonband provisorisch unterlegen.
Ob es am Anfang Out- oder Insert-Nocks sind ist egal – die einen werden über den Pfeilschaft geschoben, die anderen in denselben eingeführt, bei größeren Pfeildurchmessern wird dazu meist zuerst eine Metallhülse (Bushing) in den Schaft geklebt um den Durchmesser so zu verringern, dass Standardnocks passen.
Daneben gibt es noch Pin-Nocks, bei denen ein Metalpin in den  Schaft geklebt wird, auf den dann ein kleiner Pin-Nock gesteckt wird.
Es ist sehr ratsam, sich mit den Pfeilen gleich etliche zu den jeweiligen Pfeilen passende Nocks (Art, Größe, Farbe, Nockbett) zu besorgen.

Achtung: Beschädigte Nocks sind umgehend auszutauschen, da die Gefahr besteht, dass der Pfeil zur Seite fliegen kann, wenn der Nock beim Abschuss bricht oder es kommt zu einem sogenannten Leerschuss bei dem der Bogen oder die Wurfarme zerstört werden können.

Die Pfeilspitzen sind wegen des Luftwiderstandes in der Regel elliptisch. Zu Beginn sind die Spitzen erst einmal nachrangig, da in der Regel bereits mit dem auf dem Spinewert beruhenden Standardgewicht in den Schaft geklebt. Erst später werden sie beim Pfeiltuning wichtig und man kann eigene Experimente anstellen. Jagdspitzen mit rasiermesserscharfen Klingen sind natürlich tabu und auch unsinnig!

Fazit

Am besten lässt man sich von einem Trainer, erfahrenen Schützen bzw. Vereinskollegen oder dem Händler des Vertrauens bei der Pfeilauswahl beraten, um Fehlkäufe zu vermeiden, die später nur noch als Rankhilfe für die Tomatenstauden auf dem heimischen Balkon dienen.

Wählt man mangels Hilfe die Pfeile selbst aus, misst man zunächst die relevante  Auszugslänge wie oben beschrieben, also tatsächliche Länge (Nockboden bis Pivotpunkt) zuzüglich 1,75″ und bestimmt das Zuggewicht auf den Fingern. Anschließend ermittelt man mit einer Pfeilauswahltabelle den passenden Spinewert. Den zu kaufenden Spinewert bestimmt man dann je nach Ambition (in naher Zukunft zu erwartende Steigerung des Zuggewichts aufgrund des individuellen Trainingsumfangs) etwas höher. Aufgrund der im Ergebnis um etwa 2,25″ größeren Länge (s. Empfehlung oben; 1,75″+2,25″=4″) wählt man im letzten Schritt den Pfeil um zwei bis drei Stufen härter (niedrigere Spinewertzahl, höhere Stufe).

Beispiel: Gemessener Auszug vom Nockboden bis Pivotpunkt: 27,1″; Auszugslänge zzgl. 1,75″ ergibt gerundet 29″. Gewicht auf den Wurfarmen: 22 lbs., ergibt ca. 20 lbs. auf den Fingern (wg. 27,1″); angestrebtes Zuggewicht in absehbarer Zeit auf den Fingern: 24 lbs.. Ein Blick in die Eastontabelle ergibt Pfeile der Gruppe T3 (29″, 24 lbs.). Wegen der um 2″ längeren Pfeile kauft man dann Pfeile der Gruppe T5.

zurück

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s