Mittelteil (riser)

Das Herzstück jedes Bogens ist das Mittelteil, englisch auch als riser bezeichnet. Es begleitet den Bogenschützen neben dem Visier am längsten und sollte daher mit bedacht gewählt werden.

Wichtigstes Kriterium bei der Auswahl ist die Frage, mit welcher Hand das Mittelteil gehalten wird. Rechtshandschützen (RH) ziehen die Sehne mit der rechten Hand und halten den Bogen folglich mit der linken, Linkshandschützen (LH) mit der rechten Hand. Dementsprechend ist das Bogenfenster, also die Aussparung in der Mitte des Bogens, auf der linken (RH) bzw. rechten (LH) Seite. Dies hat nichts damit zu tun, ob der Schütze Rechts- oder Linkshänder ist. Wie man die richtige Hand bestimmt, findet Ihr in meinem Artikel hier.

Wichtig: Augen auf beim Kauf, ob das Mittelteil RH oder LH ist, sonst gibt’s später ein böses Erwachen! Am Bogenfenster sieht man’s…

Billige Holzmittelteile kommen bei höheren Zuggewichten irgendwann an ihre Grenzen. Auch ist die Verbindung von Metallbuchsen zur Aufnahme von Stabilisatoren mit dem Holz suboptimal. Zudem sind sie zumeist nicht Fast-Flight-tauglich, d.h. es muss eine langsamere und auf Witterungseinflüsse stärker reagierende Dacronsehne verwandt werden. Das schnellere Fast Flight Sehnengarn belastet das Mittelteil zu stark.

Carbon hat den Ruf, im Verhältnis zur Festigkeit sehr leicht zu sein. Um allerdings den multidirektionalen Kräften die an einem Bogen auftreten gewachsen zu sein, wird die Materialstärke zumeist entsprechend dicker gewählt, was den Gewichtsvorteil wieder aufhebt. Von wenigen Ausnahmen wie z.B. Uukha oder Fiberbow abgesehen, sind Carbon Mittelteile zumeist nicht viel leichter als Mittelteile aus Aluminium. Außerdem haben sie ihren Preis…

Aluminium ist am weitesten verbreitet. Stabil, dauerhaft und relativ leicht haben diese Mittelteile das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Möchte man keines mieten, sondern selbst eines kaufen, sollte man nicht unbedingt auf die biligsten Varianten zurückgreifen. Ab 200 EUR findet man Mittelteile, die schon recht gut verarbeitet sind, ein gutes Gefühl beim Schießen vermitteln und einen lange begleiten.

Das Gewicht des Mittelteils ist  ein nicht zu vernachlässigender Faktor, gerade am Anfang. Ein hohes Grundgewicht stabilisiert zwar aufgrund des niedrigen Schwerpunkts, den Bogen jedoch viele Male stabil am ausgestreckten Arm zu halten erfordert viel Kraft und Training. Im Mittel beträgt das Gewicht ca. 1300 g. Bei der Auswahl sollte individuell auf Statur und eventuell vorhandene Verletzungen im Schulter-/Armbereich geachtet werden. Einige Mittelteile sind mit knapp 1100 g spürbar (!) leichter, aber nicht zu leicht. Natürlich gibt es leichtere, aber hier geht es um die Grundausstattung – Vorlieben und Schießtechnik entwickeln sich und meist auch die Bereitschaft deutlich mehr zu investieren, wenn man beschließt  dem Bogensport treu zu bleiben. Im Ergebnis sollte der Bogen inklusive aller Anbauteile (Stabi, Visier etc.) sich gut anfühlen.

Das betrifft auch den Griff. Einige sind deutlich breiter bzw. schlanker als andere, manche aus Holz andere aus Kunststoff, einige glatt und bei manchen Herstellern wie Hoyt z.B. auch austauschbar in andere Varianten. Letztlich sollte der Griff angenehm in der Hand des jeweiligen Schützen liegen.  

Die Standardlänge für Mittelteile sind 25. Einige Hersteller bieten daneben Varianten mit 23″ oder 27″ an. Von außergewöhnlichen körperlichen Konstellationen einmal abgesehen, stellt sich diese Frage dem Anfänger jedoch nicht.

An den beiden Enden des Mittelteils befinden sich die Wurfarmaufnahmen. Während v.a. sehr billige Holzriser (nervige) Schraubwurfarme verwenden, haben sich Steckwurfarme durchgesetzt. Meistens entspricht die Wurfarmaufnahme dem ILF-Standard (international limb fitting). Theoretisch sollten daher alle der Norm entsprechenden Wurfarme passen, praktisch läuft das nicht immer so rund und man muss manchmal etwas nachbessern. Daneben gibt es noch das Formula-Stecksystem von Hoyt im hochpreisigen Segment bei dem die Auswahl stark eingeschränkt ist. 

Die meisten Mittelteile haben neben der Aufnahmebuchse für den Frontstabilisator unterhalb des Griffs an der Vorderseite noch weitere Aufnahmemöglichkeiten für Anbauteile. Obligatorisch sind Bohrungen für Klicker und Visierbefestigung. Manche Bögen können zusätzlich am oberen und unteren Ende an der Vorderseite weitere Dämpfer aufnehmen, seltener ebenso auf der dem Schützen zugewandten Rückseite.

Wichtig: Ehe man irgendetwas anschafft, was an den Bogen geschraubt werden soll, unbedingt die notwendigen Schrauben ermitteln (Gewinde zöllig oder metrisch und Maß)! 

Anodisierte bzw. eloxierte riser sind im übrigen deutlich resistenter gegen unvermeidliche Schrammen als lackierte. Das hat allerdings in der Regel seinen Preis. Eine positive Ausnahme sei hier genannt: Der SF Forged+. Sauber gearbeitet, relativ leicht (knapp über 1100 g), eloxiert, schlanker gummierter Griff, Button und Magnetpfeilauflage werden mitgeliefert und das bei einem recht moderaten Preis.

Nun wählt man noch Farbe und Design nach eigenem Geschmack und innerhalb der Grenzen, die der Geldbeutel vorgibt.

Und jetzt viel Spaß beim Shoppen! 😉

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